Ein Herz für Hunde Senioren

Hunde, die zurückgelassen werden, weil sie im Alter mehr Betreuung benötigen - das ist leider keine Seltenheit. In Tierheimen sind Senioren nur schwer vermittelbar. Das ist umso trauriger, weil es gerade für sie so wichtig ist, als graue Schnauze etwas mehr Ruhe und Fürsorge genießen zu können. Aus dieser Situation heraus entstand das Altenheim für Tiere in Berlin. Hartmut Benter (57) und Dirk Bufé (52) betreiben die Einrichtung und haben es sich zur Aufgabe gemacht, Hundesenioren und anderen Tieren genau das zu bieten: ein liebevolles und artgerechtes Zuhause, wo sie in Ruhe und Frieden ihren letzten Lebensabschnitt genießen können.

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Hundesenioren

Jeder Hund hat andere Futter-Bedürfnisse, vor allem, wenn der Biss nicht mehr stimmt

Vieles ist beeindruckend am Altenheim für Tiere. Die Hunde dürfen sich frei bewegen, im Haus und auch auf dem eingezäunten Grundstück. Sie können selbst entscheiden, wo es für sie gerade am bequemsten ist und ob sie mit anderen Hunden spielen oder lieber schlafen möchten. Dabei fällt auf, wie sauber und gepflegt es überall ist. Eine Meisterleistung. Denn viele ältere Hunde können ihren Kot nicht mehr halten und verlieren ihn auch im Gehen – beherzt geht Dirk Bufé mit einer Schaufel hinterher und sammelt alles ein, das natürlich mehrfach am Tag. Die Senioren haben unterschiedliche Bedürfnisse, daher wird das Futter für jeden anders zubereitet. Für einige Hunde z.B. wird das Futter weich gekocht, da sie nicht mehr richtig kauen können.

Gekümmert wird sich nicht nur um die vielen Tiere – auch um Menschen, denn das Telefon steht nicht still. Manche wollen wissen, wie es ihren abgegebenen Tieren geht, andere haben grundsätzliche Fragen zur Tierhaltung und scheuen sich nicht, Dirk Bufé in ein langes Gespräch zu verwickeln. Geduldig beantwortet er alle Fragen, jeder wird gehört. „Wir möchten ja nicht nur den Tieren, sondern auch den Menschen helfen“ sagt Bufé entschuldigend und schon klingelt das Telefon wieder. 


Warum ein Altenheim für Tiere?

Hartmut Benter und Dirk Bufé arbeiteten schon lange ehrenamtlich in Tierheimen und es brach ihnen jedes Mal das Herz, wenn sie abends nach Hause gingen und die Tiere dort lassen mussten. Besonders schwer fiel es ihnen bei den Senioren, die nur noch selten eine Chance auf Vermittlung hatten. Gerade die älteren Tiere verkümmern im Tierheim, das haben die beiden oft genug erlebt. „Der Mensch baut Mist und kommt in den Knast, die Tiere machen nichts und kommen trotzdem ins Tierheim“ sagt Bufé.
„Das ist für die meisten Hunde unfassbar stressig. Tiere sind wie Menschen, sie haben Gefühle und irgendwann geht es nicht mehr. Die alten Tiere geben sich auf und sterben - trotz aller Mühe“. 

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Ausgesetzt

Dogge Ronaldo wurde zusammen mit seiner Schwester Ronja an der Autobahn “vergessen”

Viele Menschen bedenken bei der Anschaffung eines Hundes nicht, dass dieser erfreulicherweise heutzutage immer älter werden kann. „Manche Leute denken einfach nicht nach“ schimpft Bufé. Während einige Hunde bis ins hohe Alter fit bleiben, häufen sich bei anderen die Beschwerden: Probleme mit den Gelenken, Augen und Ohren und auch Krankheiten wie Epilepsie, Herzkrankheiten oder Krebs können Hundesenioren schwer zu schaffen machen. Die steigenden Tierarztkosten für Behandlungen, Medikamente und Spezialfutter sind dabei nur die finanzielle Seite. Zusätzlich brauchen ältere Hunde meist auch mehr Streicheleinheiten, Betreuung und einfach Zeit. Erschreckenderweise gibt es durchaus Menschen, die ihren felligen Freund aus diesen Gründen auch im hohen Alter in Hundepensionen „vergessen“, im Tierheim abgeben oder sogar aussetzen.

„Da müssen wir was tun“, sagten sich die beiden und gründeten 2006 kurzerhand mit eigenen Mitteln selbst eine Organisation. Ganz speziell nur für alte Hunde, die niemand mehr haben will oder bei denen die Menschen verstorben sind. Da alte Tiere ganz besonders viel Nähe und Fürsorge benötigen, kauften die beiden ein Haus, damit die Hunde mit ihnen leben können und sich geborgen fühlen. Ein Glücksfall für die Hunde. Zusätzlich bauten sie artgerechte Volieren und ein Katzenhaus, denn andere Tiere ließen nicht lange auf sich warten. Neben 32 Hunden leben nun also auch um die 300 Vögel und 16 Katzen im Altenheim für Tiere. 

Wie kommen die Hunde ins Altenheim?

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Für jeden seinen Rückzugsort

Auf dem Gelände gibt es jede Menge liebevoller Ruhe-Oasen

„Ganz unterschiedlich“ erklärt Bufé. „Viele alte oder kranke Menschen wollen ihr Tier versorgt wissen und stellen sicher, dass ihr Tier bei Bedarf im Altenheim aufgenommen wird. Manche erben ein älteres Tier und kommen mit ihm nicht klar. In anderen Fällen gehen Paare auseinander oder Menschen sind einfach überfordert“. Insgesamt gibt es wöchentlich etwa 30-40 Anfragen. Auch Hilferufe aus dem Ausland erreichen sie vereinzelt. Sie können leider nicht allen helfen. Würden sie gern, aber sie haben auch eine Verantwortung für die Tiere. “Die Hunde müssen sich wohlfühlen und ausweichen können. Wenn es zu viele werden, geht das nicht mehr. Da muss man vernünftig sein“ sagt Bufé. 

Wie finanziert man so etwas?

Neben der intensiven „emotionalen“ Betreuung benötigt ein alter Hund meist auch mehr medizinische Unterstützung und diese kostet Geld. Die Vereinsbeiträge der mittlerweile 510 Mitglieder machen einen guten Teil aus, reichen allerdings nicht, um die monatlichen Kosten von durchschnittlich 8.000 Euro zu decken. Also arbeiten Benter und Bufé wechselseitig bei der Post – einer bleibt immer bei den Tieren. Zusätzlich werden die beiden regelmäßig von 7 weiteren Helfern unterstützt, denn sonst wäre es nicht zu schaffen. Allein das Gelände kontinuierlich sauber zu halten ist ein Kraftakt. Es wird beim Füttern geholfen, gespielt, gepflegt und natürlich Gassi gegangen. Eine der Helferinnen ist die Tierärztin Edeltraud Hertzsch (70), die sich bereits im Ruhestand befand, als sie von der Einrichtung hörte. Sofort beantragte sie eine neue Zulassung, um ehrenamtlich unterstützen zu können. Sie versorgt die Tiere jeden zweiten Tag.

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Ziemlich beste Freunde

Dackeldame Bienchen hat neben ihrem Katzenkumpel Garfield auch neue Hundefreunde gefunden

Trotzdem bleibt es schwer. Über die Runden kommen die beiden nur durch weitere Einmalspenden (ca. 500 bis 1.000 pro Jahr) oder aus dem Nachlass von verstorbenen Vereinsmitgliedern. Diese erhalten mit ihrer Mitgliedschaft die Sicherheit, dass ihr Tier im Fall der Fälle versorgt ist. So ist die schwarze Dackeldame „Bienchen“ gemeinsam mit ihrem Kumpel „Garfield“, einer fuchsfarbenen Katze eingezogen. Ihre Halterin verstarb und nun leben die beiden im Altenheim. Garfield hat im Katzenhaus sein eigenes Zimmer und durch die Katzenklappe kann der kleine Dackel jederzeit zu ihm.

Alltag im Seniorenheim

Im Auslauf und im Haus lebt das Hunderudel zusammen und es ist immer was los. Es wird gespielt, gebuddelt, geschnüffelt und auch mal gebellt. Da gerade Hundesenioren sehr viel Ruhe benötigen, gibt es jede Menge Rückzugsmöglichkeiten auf dem Gelände. Von Holzhütten, die mit Stroh ausgelegt sind über eine überdachte Ecke mit alten Sofas und schließlich noch der ganze Innenbereich des Hauses. Auch frisches Wasser steht den Hunden jederzeit zur Verfügung. 

Bei so vielen alten Hunden gibt es auch immer wieder Momente des Abschieds. Wie die beiden damit umgehen würden? „Natürlich ist es jedes Mal unfassbar traurig und schwer“ sagt Bufé und wird dabei ganz leise. Aber viel Zeit zum Trauern bleibt nicht, denn die anderen Tiere benötigen ihre Unterstützung. Und das rund um die Uhr. 

Woher kommt so eine große Tierliebe?

„Die Tiere waren schon immer für mich da“ sagt Bufé. Sie haben ihm zugehört und Geborgenheit gegeben, bei ihnen konnte er sich ausweinen, denn seine Kindheit war alles andere als einfach. Nun möchte er etwas zurückgeben. 

Obwohl sich Hartmut Benter und Dirk Bufé finanziell nicht viel leisten können und es körperlich und emotional oft nicht einfach ist: sie sind glücklich und stolz darauf, was sie in den letzten 13 Jahren aufgebaut haben. „Dass die Tiere einen jeden Tag mit liebevollen Augen ansehen, gibt einem so viel. Es sind diese Glücksmomente, wenn man Hund und Mensch helfen kann und die Dankbarkeit erfährt. Das erfüllt einen mehr als alles andere“, sagt Bufé und streichelt dabei seinen beiden Doggen zärtlich über ihre grauen Köpfe.

 
 

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Spendenkonto: Vogelgnadenhof und Altenheim für Tiere e.V. in Berlin-Pankow, Commerzbank, IBAN: DE94120800004043568500, BIC: DRESDEFF120