ZU ALT FÜR EINEN HUND?

Neulich im Facebook Feed: gesucht wurde ein neues Zuhause für eine 8-jährige kleine Hündin – ihr 88-jähriges Frauchen musste ins Heim und konnte sie leider nicht mitnehmen. Die Empörung war groß:

“Warum schafft sich jemand mit 80 Jahren noch einen Welpen an?” “Unverantwortlich!”

Ich konnte diese Kommentare einerseits nachvollziehen. Andererseits: Kennt man denn die Geschichte dahinter? Könnte es sein, dass es der alten Frau auch sehr wehtut, ihren Hund nicht mitnehmen zu können? Dass es damals Gründe für einen Welpen gab? Dass sie womöglich jetzt keine Verwandten mehr hat, die ihren Hund übernehmen könnten, so dass sie ihn wenigstens ab und zu sehen kann?
Mir tat das alles sehr leid, aber es tut mir ohnehin immer weh, wenn ich sehe, dass Hunde – aus welchen Gründen auch immer – vermittelt werden müssen. Es ist ja leider so, dass dem Menschen immer was passieren kann. Egal in welchem Alter. Gerade in unserer Single Gesellschaft kann es dann sein, dass der Hund den Menschen überlebt.

Darum finde ich persönlich nicht, dass Menschen ab einem bestimmten Alter keinen Hund mehr an ihrer Seite haben „dürfen“. Und ab wann ist man denn eigentlich „zu alt“? Es ist unbestritten, welche positive Wirkung Hunde auf Menschen haben – insbesondere auf Senioren.  Umso mehr, wenn diese ganz alleine sind.

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Buddy & Bello

Ein tolles Team, egal in welchem Alter.

Vielleicht ist genau das der springende Punkt. Vor ein paar Monaten kam ich beim Tierarzt mit einem recht betagten Mann ins Gespräch. Er hatte einen 2-jährigen kleinen Hund und die beiden hatten offensichtlich sehr viel Freude miteinander. Ein tolles Team. Buddy & Bello eben.

Er erzählte mir, dass er vor einem Jahr seine Frau verloren hatte und in kurzen Abständen davor seine beiden Kinder. Außer dem kleinen Hund hatte er niemanden mehr. Noch bevor ich etwas darauf erwidern konnte, erzählte er weiter. Er hatte vorgesorgt, für den Fall, dass sein Hund irgendwann alleine dastehen sollte: eine vertragliche Patenschaft mit einer jungen Frau, die in der Nachbarschaft wohnt. Diese kennt den Hund seitdem er klein ist, sieht ihn regelmäßig und hat eine liebevolle Beziehung zu ihm. Was für eine wunderschöne und sinnvolle Idee, dachte ich mir. Denn eines ist klar: nicht nur für den Menschen ist es schlimm, seinen Freund zu verlieren – für den Hund andersherum ganz genauso. Umso schöner, wenn er dann nicht zu fremden Leuten muss.

Meine abschließende Meinung also: solange man in der Lage ist, sich angemessen um einen Hund zu kümmern und sicher sein kann, dass er im Fall der Fälle in gute und bekannte Hände kommt, dann ist es mehr als in Ordnung und einfach nur schön, in jedem Alter einen Hund zu haben  - und zwar für beide Seiten.

 

Kommentar

Dieser Artikel gehört zu der Rubrik "Gedankenfutter". Dabei geht es um subjektive Beobachtungen und Gedanken, die kleine Anstöße geben sollen und über die gern diskutiert werden darf.

Fotocredits: oben (alter Mann): pixpoetry/unsplash.com Fotocredits rundes Bild (Hund): Pavel Nekoranec/unsplash.com